Pressestimmen: Scaramuccis Entlassung: "Eine demütigende Hinrichtung"

Nach nur zehn Tagen im Amt hat Donald Trump seinen neuen Kommunikationschef wieder gefeuert. Offziell war davon die Rede, dass Anthony Scaramucci seinen Posten freiwillig geräumt habe. Scaramucci wolle damit dem neuen Stabschef John Kelly einen unbelasteten Start ermöglichen, hieß es in einer Mitteilung. Kelly solle die Gelegenheit bekommen, sein eigenes Team aufzubauen. US-Medien berichteten, die Entlassung des umstrittenen Kommunikationschefs sei auf Drängen des gerade erst vereidigten Stabschefs erfolgt. Es blieb zunächst unklar, wer auf Scaramucci folgen soll. Donald Trump twittert kurz nach Bekanntwerden der Entlassung von Scaramucci: "Ein großer Tag im Weißen Haus". So urteilen deutsche und internationale Medien über die Personalie: National "Frankfurter Allgemeine Zeitung":  "Trump will jetzt noch mehr Trump sein. Also beschimpft er die Politiker seiner Partei so wüst wie die der Demokraten. Er zeigt noch weniger Neigung, sich auf Twitter zu zügeln. Er nimmt in Kauf, dass immer mehr Republikaner die Scheu verlieren, den Präsidenten zu rügen. Und er hat zwei Berater verabschiedet, die als gestandene Parteifunktionäre Drähte ins 'Establishment' haben. In Stabschef Priebus und seinem Sprecher Spicer sah Trump zuletzt Agenten einer Politikerkaste, der er misstraut. In Trumps Weißem Haus haben Familienangehörige wie Tochter Ivanka und deren Mann Jared Kushner sowie Wahlkampfgefährten wie Steve Bannon und Kellyanne Conway direkten Zugang zum Präsidenten. Priebus konnte deshalb nie ein Stabschef mit Autorität und Überblick sein." "Tagesspiegel": "Wie soll das Bild der Trump-Präsidentschaft besser werden, wenn die Hauptursache der Probleme nicht behoben wird? Mag sein, dass der alte Stabschef Reince Priebus als Krisenmanager nicht gut genug war. Im Übrigen ist es normal, dass der erste Stabschef eines neues Präsidenten Unmut auf sich zieht. Das Regierungsteam macht Anfängerfehler, muss sich erst in die Aufgabe finden. Und wenn das Ansehen des Präsidenten leidet, wird der zentrale Manager über kurz oder lang zum Sündenbock. So weit, so normal. Bill Clintons erster Stabschef Mack McLarty hielt sich 18 Monate, Obamas erster Stabschef Rahm Emanuel 21 Monate. Priebus nur sechs Monate, das ist Negativrekord. Das Haupthindernis für gutes Regieren war aber nicht Priebus. Das ist Trump selbst." Hire & Fire Weißes Haus International "Corriere della Sera":  "Der Ex-General der Marines (der neue Stabschef John Kelly ) will 'Disziplin' und 'Glaubwürdigkeit': Zwei Voraussetzungen, die, wie Donald Trump erklärte, Scaramucci in kürzester Zeit niedergebrannt hat. Der Präsident hat gewählt. Doch das Nachdenken war kurz. Niemand in dem engsten Kreis hat "The Mooch" verteidigt, den Schnorrer, wie der Finanzmann von der Wall Street genannt wurde. (...) Offiziell ist Scaramucci zurückgetreten, genau wie Sprecher Sean Spicer und Reince Priebus, der Vorgänger von Kelly. Doch in Wirklichkeit war Anthony, wie die anderen beiden, gezwungen zu gehen, um der Demütigung einer Kündigung zu entgehen. (...) Scaramuccis Kalkulation hat sich als völlig falsch entpuppt. (...) Vor allem hat er nicht die Unvorhersehbarkeit und Schwankungen des Präsidenten bedacht." "New York Times": "Der neue Stabschef behauptet seine Autorität und feuert Anthony Scaramucci", schreibt die Zeitung. Ex-General John Kelly ist gerade erst als Stabschef vereidigt worden - und schon an seinem ersten Tag im Weißen Haus habe er seinem Umfeld mitgeteilt, dass er "militärische Disziplin" im West Wing einführen werde. "Washington Post":  Kelly habe "seine Muskeln spielen lassen". Die Entlassung sei ein klares Zeichen dafür, dass der ehemalige Marine-General die Macht bekommen habe, die schwierige Situation in der Regierungszentrale zu managen. "Trumps Bereitschaft, Scaramucci zu entlassen - den er erst zehn Tage zuvor eingestellt hatte - wird von vielen im West Wing als ein Hinweis darauf gesehen, dass er dringend Ordnung schaffen will und Kelly die Werkzeuge dafür in die Hand gibt." Vanity Fair: Vertraue niemals Donald Trump "Vanity Fair": Es sei womöglich die "kürzeste Rundfahrt in der politischen Geschichte" gewesen, schreibt das US-Magazin. Wenn Scaramucci clever sei - "und das ist er" - dann werde er aus seinen Fehlern lernen. Seine "demütigende Hinrichtung" finde in aller Öffentlichkeit statt. Es seien Fehler gemacht worden. "Trump zu vertrauen, ihm beizustehen, war wohl der größte Fehler." "The Federalist": Falls man ein Trump-Fan sei, und nach dem Guten der ganzen Sache suche, dann könnte man sich wohl daran erwärmen, dass John Kelly das Problem nicht länger hat schwelen lassen, schreibt die Website.
Read The Rest at : STERN